Robert Bartelt ist schon seit dem frühen Morgen unten an seinem Ückeritzer Kiosk. Denn der Strandkorbvermieter, der im Sommer in Ückeritz und in Zempin insgesamt knapp 350 Strandkörbe an Sonnenanbeter und Liebhaber des nostalgischen Möbelstücks verleiht, hat alle Hände voll zu tun. Nach und nach schicken alle Vermieter ihre Körbchen in den Winterschlaf. Neben Robert Bartelt gibt es in Ückeritz noch einen zweiten Vermieter. Und bei den vier Verleihern in Koserow, in Zempin und den drei Vermietern in Loddin/Kölpinsee sieht es derzeit ganz ähnlich aus. Sie alle sind eifrig damit beschäftigt, an den Stränden „klar Schiff zu machen“. Aber bis die Körbe in aller Ruhe vom nächsten Frühling träumen können, haben die neun Strandkorbverleiher in den Bernsteinbädern einiges zu tun.
Familie Bartelt betreibt ihren Strandkorbverleih bereits in vierter Generation unterhalb des Strandcafés Utkiek. Roberts Urgroßvater Richard Labahn hatte die ersten Holzschuppen für die Unterbringung der Körbe schon in den 1920er Jahren unweit der Dünen gebaut. Auch heute stehen einige von ihnen noch genauso dort wie vor 100 Jahren. Vielleicht ein bisschen in die Jahre gekommen, mit einer nostalgischen Patina überzogen, aber immer noch in Benutzung. Hierhin transportieren Robert und sein Mitarbeiter die Körbe im Herbst. Früher einzeln mit der Sackkarre. Heute mit dem Pickup und einem Hänger. „Das macht es ein bisschen leichter“, freut sich Robert. Denn ein normaler Strandkorb wiegt um die 60 Kilogramm; ein XXL-Korb, wie ihn die Bartelts verleihen, sogar um die 90. Ein echter Knochenjob.
„Die erste Reihe ist immer als Erstes dran“, erzählt Robert. Denn zum Herbst hin kommt es immer wieder zu kräftigen Stürmen mit Hochwasser. „Wenn so ein Korb erst einmal im Wasser steht und sich vollgesaugt hat, kriegt man ihn unter Umständen nicht mehr von der Stelle bewegt“, weiß der Ückeritzer aus Erfahrung. Zwei Stunden hat er selbst schon einmal buddeln müssen, um einen Strandkorb freizubekommen.
Die für die Bartelts so typischen XXL-Körbe waren eine Idee von Roberts Vater Michael. Er war einer der Ersten, der einen solchen XXL-Korb selbst baute. „Modell Ostseestrand hieß er bei uns und war der Renner. Heute schaffen wir es nicht mehr, die Körbe selbst zu produzieren und lassen sie in der Bugenhagen-Werkstatt in Heringsdorf herstellen“, sagt er. Der Strandkorbverleih von Robert Bartelts trägt seinen Namen „XXL-Strandkorbverleih“ also nicht von ungefähr. Mit ihren anderthalb Metern Breite sind die Riesenkörbe so groß, dass darin locker drei Personen Platz finden. Und so manch einer macht es sich für ein entspanntes Mittagsschläfchen am Strand sogar quer darin bequem.
Stehen die Körbe erst einmal alle vor den Schuppen, werden sie auseinandergeschraubt und mit dem Hochdruckreiniger sauber gemacht. Ein paar gute Tage sollten nach dem Einholen auf jeden Fall noch kommen. Denn bevor die Körbe eingelagert werden können, müssen sie trocknen. Damit sie nicht schimmeln. Übrigens bevorzugen die Strandkorbvermieter in den Bernsteinbädern die Nordseeform. Denn die kann für eine bessere Lagerung ineinander gestapelt werden. Aber die Bartelts verleihen beide Formen: den geschwungenen Ostseestrandkorb und den kantigeren von der Nordsee. Nur die alten DDR-Körbe „Typ Platte“ aus Span- und Resopalplatten hat Robert inzwischen aus dem Bestand genommen.
Kaputte Körbe repariert und lackiert er den Winter über in aller Ruhe in seiner kleinen Werkstatt. „Da arbeite ich dann in meinem Tempo und habe auch mal Zeit für andere Dinge und für die Familie“, freut er sich. Im Sommer bleibe die bei 17-Stunden-Tagen öfter mal auf der Strecke.
Was wirklich zu reparieren sei, könne man erst sehen, wenn der Korb auseinandergeschraubt ist. „Manchmal fluche ich dann leise in mich rein, hätte ihn am liebsten gar nicht aufgemacht“, scherzt der Ückeritzer. Aber bei guter Pflege hat ein Strandkorb eine Lebenserwartung von etwa zwölf Jahren. „Die Polster und das Polyrattangeflecht sind fast unkaputtbar.“ Zwischen 60 und 70 Körbe muss Robert jedes Jahr im Winter wieder sanieren und aufhübschen. Typische Reparaturen sind der Austausch von Sonnenmarkisen und Holzleisten. Das UV-Licht sei mittlerweile so aggressiv, dass es die Nähte vom Stoff richtiggehend zerfresse. Zudem wird jeder Korb alle fünf Jahre frisch gestrichen.
Der Strand ist Roberts ständiger Begleiter. Ganz gleich, ob bei der Arbeit, in der Werkstatt oder in Form von kleinen Sandkörnchen sogar zu Hause im Bett. Und wenn er beim Heulen eines Herbststurms drinnen in seiner Werkstatt sitzt und die Gedanken während des Reparierens abschweifen, träumt Robert schon wieder vom Frühling und der nächsten Saison. Denn er ist gern draußen am Strand, arbeitet und unterhält sich mit den Gästen. „Da ist kein Tag wie der andere“, schwärmt er und kann sich nicht mehr vorstellen, irgendwo in einem Büro arbeiten zu müssen.
Text: Sandra Grüning – Textwerkstatt Küstenkind
Fotos: Henry Böhm – Usedomgalerie