Ortswanderung - Teil 01

Die wundertätige Rose im Kloster Pudagla

(15. Jahrhundert)

Transkript

Möwen schreien. Die Frau murmelt ein Gebet ...


"Hey! Gute Frau, das ist mein Acker. Gebt acht, wo ihr hintretet."
"Mein Herr, das tut mir leid. Ich war ganz in meinem Gebet versunken. Ich fühle, dass das Ziel meiner Reise nun ganz nahe ist."
"Ahh! Ihr wollt sicher zum Kloster Pudagla?" [Sakraler Gesang]
"Hört ihr das? Der Wind trägt oft die Gesänge der Mönche herüber."
"Ja! Ich möchte die wundertätige Rose sehen und hoffe, dass meine Gebete erhört werden."
"Die Rose hat schon viel Gutes bewirkt. Sie kommt den ganzen Weg aus Rom. Vom Heiligen Vater selbst. Wusstet Ihr das?"
"Davon habe ich gehört. Papst Gregor schenkte sie dem Herzog, nicht wahr? Der Herzog war Tischler von Pommern, und der wiederum schenkte sie dem Kloster im Jahr des Herrn 1407. Oh, das ist nun schon beinahe 30 Jahre her."
"Genug Zeit für allerlei Wunder. Wer die Rose sieht, erfährt Gottes Segen. Frauen, denen keine Leibesfrucht vergönnt war, schenkte der Herr ein Kind, nachdem sie die Rose sahen. Bauern, die durch Missernten kurz vor dem Ruin standen, hatten plötzlich reichen Ertrag und waren gerettet."
"Gepriesen sei der Herr. Ich bete für meinen lieben Mann. Er wurde von einer schrecklichen Krankheit niedergestreckt. Ich fürchte, es könnte bald mit ihm zu Ende gehen. Die Rose ist meine letzte Hoffnung. Wegen ihr bin ich den ganzen Weg aus Rostock gekommen."
"Nur Mut! Ihr seid bald am Ziel. Seht ihr das kleine Wäldchen dahinten?"
"Ja."
"Geht in diese Richtung und ihr könnt das Kloster schon sehen. Geht mit Gottes Segen."
"Habt vielen Dank. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes."


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