Vom Hölzchen aufs Stöckchen: Unterwegs mit der Revierförsterin Anne-Sophie Knop im Wald in der Inselmitte

Wie lieblich blüht der Wunderbaum

Es ist nicht nur die Ostseebrise, die an diesem Morgen so frisch durch die Weihnachtsbaumplantage gleich hinter dem zum Bernsteinbad Ückeritz gehörenden Forstamt Neu Pudagla weht. Der frische Wind kommt auch ein wenig durch die Anwesenheit der ersten Forstrevierleiterin Anne-Sophie Knop auf Usedom.

Sie ist gerade 32 Jahre jung und sie ist eine Frau. In einem Beruf, bei dem der Frauenanteil unter den Führungskräften bis vor kurzem noch kaum vorhanden war, ist das ein erfrischender Wind des Fortschritts. Und Anne-Sophie Knop steht ihre Frau. Sie war mit 25 Jahren die jüngste Revierförsterin Deutschlands. Sie ist kompetent und lässt sich von niemandem die Butter vom Brot nehmen. Dabei kommt sie unglaublich sympathisch rüber.

 

An diesem Morgen im Wald, inmitten von kleinen und großen Weihnachtsbäumen, kommt angesichts des Raureifs, der sich auf alles wie eine Schicht Puderzucker gelegt hat, tatsächlich ein bisschen Weihnachtsstimmung auf. Es ist wieder so weit. Die Zimmer und Stuben erstrahlen voller Lichterglanz und festlich geschmückter Bäume. Und wer weiß, vielleicht kommt der eine oder andere Tannenbaum von eben jener Weihnachtsbaumplantage, auf der die Revierförsterin Knop gerade steht.

Seit einem Jahr ist Knop zuständig für das Revier Stagnieß, das sich von der Zinnowitzer Seebrücke über die vier Bernsteinbäder bis hinter den Schmollensee erstreckt. Das ist ein Gebiet von knapp 1600 Hektar Wald. „Dazu gehört der typische Küstenwald direkt hinter der Düne von Zempin oder Koserow, der gerne auch von Gästen genutzt wird. Und es gibt den dichten Wald jenseits davon – zwischen Ückeritz und dem Schmollensee. Hier kann es wunderbar ruhig und einsam sein“, erklärt die Försterin. Ihre Aufgaben sind hauptsächlich administrative und organisatorische Tätigkeiten. Dazu gehören die Entwicklung, der Schutz und die Pflege des Bestandes. „Besonders beim Schutz sieht es wegen der Auswirkungen des Klimawandels in manchen Gegenden Deutschlands nicht gut aus. In einigen Regionen herrscht extreme Dürre. Die macht den Wald anfällig für Schädlinge. In einer Forst planen wir für die Zukunft. Dabei bemisst sich unsere Produktionszeit nicht in Wochen oder Monaten, sondern eher in 80 bis 120 Jahren“, erzählt sie. Darum wird in den Usedomer Wäldern maximal nur das entnommen, was nachwächst. „Denn wenn zu viel aus einem Wald entnommen wird oder er in Gänze abgeholzt wird, hat das enormen Einfluss auf das Ökosystem“, so die Revierförsterin. Es kommt zu vermehrter Erosion und kann sogar zum Absenken oder zum Umkippen des Grundwassers führen.

In Knops Aufgabenfeld gehört neben all dem auch die Bewirtschaftung des Waldes, also der Verkauf von Holz. Und hier kommen die Weihnachtsbäume ins Spiel. Denn ob Seebaddeko, Weihnachtsbaum in der Schule, Seebrückenverschönerung oder Klinikschmuck – viele der öffentlich zu bewundernden Tannenbäume stammen von einer der Usedomer Weihnachtsbaumplantagen. Eine davon befindet sich unweit des Forstamtes in Neu Pudagla. Hier wachsen hauptsächlich Nordmanntannen und Kolorado-Tannen. „Aber gerade hier an der Küste sind auch Kiefern und Fichten noch sehr beliebt“, weiß Anne-Sophie Knop. Neben der Weihnachtsbaumplantage in der Nähe von Ückeritz gibt es noch eine in der Nähe von Korswandt und eine im Revier Usedom. Die Bäume, die auf den Plantagen wachsen, sind bis zu 25 Jahre alt. „Dann haben sie natürlich schon eine stattliche Größe“, erzählt Knop und zeigt auf eine mächtige Tanne, die sich die Ahlbecker Rehaklinik ausgesucht hat.

Ob sie einen Tipp für eine möglichst lange Haltbarkeit des eigenen Schmuckstückes hat? „So lange wie möglich kühl stellen und dann nicht direkt neben die Heizung oder den Kamin“, weiß die Expertin. Denn die Bäume verlieren über die Nadeln Feuchtigkeit. Und je wärmer sie stehen, umso schneller verdunsten und verdursten sie.

 

Ein Highlight im Forstkalender ist jedes Jahr um den 3. Advent der Usedomer Weihnachtsbaummarkt am Forstamt in Neu Pudagla. Er findet am 13. und 14. Dezember 2025 jeweils von 10 bis 17 Uhr statt. Neben der Wichtelwerkstatt zum Mitbasteln, weihnachtlicher Chor- und Bläsermusik, Gaumen- und Magenfreuden, Kunst- und Handwerksständen mit Flechtwerk und Holzarbeiten und einem geschickten Kettensägenkünstler ist die Hauptattraktion auf diesem kleinen, aber feinen Markt natürlich der Weihnachtsbaumverkauf. Wer bis dahin noch keine Prachttanne für das heimische Wohnzimmer gefunden hat, wird hier garantiert fündig. „Die Nachfrage beim Markt ist so groß, dass wir mit unseren Usedomer Weihnachtsbäumen da gar nicht hinterherkommen. Darum müssen wir Bäume aus dem näheren vorpommerschen Umfeld zukaufen“, sagt die Revierleiterin.

 

Anne-Sophie Knop selbst liebt ihren Baum schlicht und klassisch in Rot und Gold. „Kugeln und Lichter. Aber bloß kein Lametta“, lacht die Revierchefin.

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